Kieferorthopädenliste

Ratgeber

Zahnspange bei Parodontitis, was vorher stabil sein muss

Veröffentlicht am , zuletzt aktualisiert am

Eine Zahnspange ist bei Parodontitis möglich, wenn die Entzündung behandelt und gestoppt ist. Laut Leitlinie darf dann keine Zahnfleischtasche von 5 Millimetern mehr bluten, und keine darf 6 Millimeter oder tiefer sein. Während der Zahnspange wird das Zahnfleisch bei jedem Termin geprüft. Danach folgen ein fester Retainer und Nachsorge auf Dauer.

Start der Zahnspange erst bei
keiner 5-mm-Tasche mit Blutung, keiner Tasche ab 6 mm
S3-Leitlinie 083-056, Empfehlung R7.2, Stand 31. Mai 2026
Behandlung nötig ab Taschentiefe
4 Millimeter oder mehr
PAR-Richtlinie des G-BA, § 4, Stand 1. Juli 2025
Nachsorge, die die Kasse zahlt
2 Jahre
PAR-Richtlinie des G-BA, § 13 Absatz 3 und 4, Stand 1. Juli 2025
Eine Dentalhygienikerin reinigt die Zähne eines erwachsenen Patienten im Behandlungsstuhl
Vor der Zahnspange wird das Zahnfleisch gründlich behandelt. Bild: KI generiert.

Warum eine Zahnspange bei aktiver Parodontitis schadet

Parodontitis ist eine lange anhaltende Entzündung des Zahnhalteapparats, also von Zahnfleisch, Wurzelhaut und Kieferknochen. Bakterien in Belägen lösen sie aus. Es bilden sich Zahnfleischtaschen, und der Körper baut bei der Abwehr Knochen ab. Schreitet das fort, lockern sich Zähne, wandern und fallen im schlimmsten Fall aus. Genau beim Wandern der Zähne setzt die Frage nach einer Zahnspange an.

Die Reihenfolge steht fest. Die Leitlinie zur schweren Parodontitis vom Mai 2026 stützt sich auf Tierversuche und Expertenmeinungen. Danach gilt: Ist die Parodontitis nicht ganz behandelt, beschleunigt der Druck der Zahnspange den Abbau von Knochen im entzündeten Gewebe. Bei gesundem, aber schon geschrumpftem Zahnhalteapparat schadete das Bewegen der Zähne dagegen nicht.

Das Universitätsklinikum Würzburg sagt es direkt: Bei Erwachsenen sollte auf keinen Fall eine feste Zahnspange eingesetzt werden, solange der Zahnhalteapparat entzündet ist. Zuerst kommt die Behandlung der Parodontitis beim Hauszahnarzt oder in einer Fachpraxis. Hier geht es um die Frage, wann danach die Zahnspange beginnen darf.

Welche Werte erreicht sein müssen

Die Leitlinie legt einen klaren Startpunkt fest. Die Zahnspange soll beginnen, sobald die Ziele der Parodontitisbehandlung erreicht sind. Dann gibt es keine Stelle mehr mit 5 Millimetern Taschentiefe und Blutung und keine Stelle mit 6 Millimetern oder mehr. Sonst droht weiterer Verlust von Knochen. Dieses Risiko wiegt laut Leitlinie klar schwerer als der Nutzen der Zahnspange. Die Tabelle zeigt, was die Werte von 5, 6 und 75 Prozent Knochenabbau bedeuten.

Was die Werte der Nachuntersuchung für die Zahnspange bedeuten, nach Leitlinie 083-056 und den Regeln der Kassen zur Parodontitis.
Befund bei der NachuntersuchungWas er bedeutetFolge für die Zahnspange
keine Tasche von 5 Millimetern mit Blutung, keine ab 6 MillimeternZiel der Behandlung erreichtStart nach gemeinsamer Planung möglich
Tasche von 5 Millimetern, die blutetEntzündung noch aktivwarten, der Zahnarzt behandelt weiter
Tasche von 6 Millimetern oder tiefereine kleine Operation am Zahnfleisch kann nötig seinwarten bis nach der nächsten Nachuntersuchung
über 75 Prozent Knochen verloren, Zahn stark gelockertder Zahn muss meist gezogen werdender Zahn fällt weg, Zahnersatz wird Teil des Plans

Die Werte stammen aus zwei Regelwerken, und beide sind wichtig. Die Regeln der Kassen bestimmen, was die Kasse bei Parodontitis zahlt. Behandelt wird danach ab einer Taschentiefe von 4 Millimetern. Die Leitlinie bestimmt, wann die Zahnspange aus fachlicher Sicht beginnen darf. Beide Werte misst der Zahnarzt bei derselben Nachuntersuchung.

Mit drei bis sechs Monaten Wartezeit rechnen

Die Wartezeit ergibt sich aus den Regeln der Kassen. Nach der Reinigung der Zahnfleischtaschen folgt die erste Nachuntersuchung drei bis sechs Monate später. Erst dann zeigt sich, ob die Ziele erreicht sind. Braucht ein Zahn noch eine Operation am Zahnfleisch, folgt danach eine weitere Nachuntersuchung, wieder drei bis sechs Monate später. Planen darf die Praxis die Zahnspange schon vorher, einsetzen aber erst, wenn die Ziele erreicht sind.

Von der Diagnose Parodontitis bis zur Zahnspange
  1. Befund und Antrag

    Der Zahnarzt misst die Zahnfleischtaschen und beantragt die Behandlung. Die Kasse muss sie vorher genehmigen.

  2. Aufklärung und Putzen

    Gespräch über die Behandlung, Anleitung zum richtigen Putzen und der Rat, zum Beispiel weniger zu rauchen.

  3. Taschen reinigen

    Der Zahnarzt reinigt die Zahnfleischtaschen. In dieser Zeit kann die Planung der Zahnspange beginnen.

  4. Erste Nachuntersuchung nach 3 bis 6 Monaten

    Der Zahnarzt misst Taschentiefe, Blutung, Lockerung und Knochenabbau. Sind die Ziele erreicht, kann die Zahnspange beginnen.

  5. Wenn nötig, Operation am Zahnfleisch

    Bei Taschen ab 6 Millimetern kann eine kleine Operation nötig sein. Danach folgt eine weitere Nachuntersuchung nach 3 bis 6 Monaten.

  6. Zahnspange mit Kontrolle des Zahnfleischs

    Die Praxis für Kieferorthopädie bewegt die Zähne. Gleichzeitig läuft die Nachsorge beim Zahnarzt weiter.

Die Nachsorge beginnt drei bis sechs Monate nach dem Ende der Behandlung, und die Kasse zahlt sie zwei Jahre lang. Wie oft sie stattfindet, hängt vom Grad der Parodontitis ab. Bei leichtem Verlauf sind es bis zu zwei Termine in den zwei Jahren, bei mittlerem bis zu vier, bei schnellem bis zu sechs. Die Zahnspange läuft meist in diese Zeit hinein. Beide Praxen müssen ihre Termine abstimmen.

Worauf es während der Zahnspange ankommt

Nach erfolgreicher Behandlung hält die Leitlinie eine Zahnspange für vertretbar. Studien fanden, dass sie Taschentiefe, Zahnfleischentzündung und Zahnfleischrückgang nicht deutlich verschlechterte. Die Wurzeln wurden auch nicht deutlich kürzer. Einzelne Studien berichten aber von kürzeren Wurzeln, eine um 1 bis 3 Millimeter, eine andere bei ähnlicher Bewegung von keinen. Für eine gemeinsame Auswertung reichten die Daten nicht.

Bei schwerer Parodontitis empfiehlt die Leitlinie feste statt herausnehmbarer Zahnspangen. Zu den herausnehmbaren zählt sie auch Aligner, also durchsichtige Schienen. Die Empfehlung stützt sich auf nur eine Vergleichsstudie mit Schwächen, in der feste Zahnspangen bei der Taschentiefe besser abschnitten. Ob Aligner bei Ihnen ausgeschlossen sind, beantwortet das nicht. Lassen Sie sich die Wahl der Zahnspange aber im Gespräch begründen.

  • Die Leitlinie empfiehlt, das Zahnfleisch während der Zahnspange genau zu prüfen, am besten bei jedem Kontrolltermin.
  • Zeigt sich eine neue Entzündung, soll das Bewegen der Zähne pausieren. Die Zähne werden dann nur gehalten, bis Behandlung und gründliches Putzen wieder wirken.
  • Das Universitätsklinikum Würzburg arbeitet nach Parodontitis mit sanften Kräften und häufigen Kontrollen des Zahnhalteapparats.
  • Als fester Halt für die Zahnspange können Implantate oder Minischrauben infrage kommen.
  • Die Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie wertet es als Fehler, wenn eine Praxis das Zahnfleisch vor dem Start nicht prüft oder nicht behandeln lässt.

Warum danach ein Retainer auf Dauer und Nachsorge folgen

Nach Parodontitis braucht das Ergebnis der Zahnspange besonders viel Halt, weil der geschrumpfte Zahnhalteapparat die Zähne weniger stützt. Die Leitlinie empfiehlt deshalb nach der Zahnspange einen festen Retainer auf Dauer, auf Wunsch zusätzlich einen herausnehmbaren. Der Retainer drückt nicht, er hält nur. Sie sollen ein Leben lang betreut werden, damit ein gelöster Retainer oder wandernde Zähne früh auffallen. Mehr dazu steht im Ratgeber Retainer nach der Zahnspange.

Dazu kommt Nachsorge für das Zahnfleisch, ebenfalls ein Leben lang und passend zu Ihrem Risiko. Die Kasse zahlt diese Nachsorge zwei Jahre lang. Eine Verlängerung, meist um höchstens sechs Monate, muss sie vorher genehmigen. Klären Sie vor der Zahnspange mit Ihrem Zahnarzt, was danach gilt und was Sie selbst zahlen. Die Leitlinie rechnet mit Jahrzehnten, nicht mit zwei Jahren.

Kann Ihre Zahnspange nach der Parodontitis beginnen?

Wurde Ihre Parodontitis behandelt, mit Reinigung der Zahnfleischtaschen?

Ja

Hat die Nachuntersuchung ergeben, dass keine Tasche von 5 Millimetern mehr blutet und keine 6 Millimeter oder tiefer ist?

Ja

Haben beide Praxen abgestimmt, wer das Zahnfleisch während der Zahnspange prüft?

Ja

Dann erfüllt Ihr Befund die Bedingung der Leitlinie. Die Praxis plant die Zahnspange, am besten eine feste, und danach einen Retainer auf Dauer.

Nein

Klären Sie zuerst, wer das Zahnfleisch während der Zahnspange prüft und wie oft. Die Leitlinie empfiehlt das am besten bei jedem Termin.

Nein

Dann ist die Entzündung noch nicht gestoppt. Der Zahnarzt behandelt weiter, bei Taschen ab 6 Millimetern womöglich mit einer kleinen Operation. Die Zahnspange wartet bis zur nächsten Nachuntersuchung.

Nein

Dann kommt zuerst die Behandlung der Parodontitis beim Zahnarzt. Die Planung der Zahnspange kann parallel beginnen, die Zahnspange selbst noch nicht.

Wer die Behandlung des Zahnfleischs und wer die Zahnspange zahlt

Zahnfleischbehandlung und Zahnspange werden getrennt bezahlt. Die Behandlung der Parodontitis zahlt die Kasse nach vorheriger Genehmigung, samt zwei Jahren Nachsorge. Die Zahnspange zahlt sie dagegen nicht, wenn die Behandlung nach dem 18. Geburtstag beginnt. Darauf weist auch die Leitlinie hin.

Die Zahnspange rechnet die Praxis deshalb privat nach der Gebührenordnung für Zahnärzte ab. Für Erwachsene gibt es eine eigene Nummer, sie kostet je Kiefer 90,55 Euro beim üblichen 2,3-fachen Satz. Dazu kommen Brackets, Drähte, Material und Labor. Laut Leitlinie dauert die Behandlung meist lange, bis zu zwei Jahre, mit regelmäßigen Terminen. Was eine Zahnspange für Erwachsene sonst kostet, erklärt der Ratgeber Zahnspange für Erwachsene.

Vor der Zustimmung muss die Praxis Sie über Art, Risiken, Erfolgsaussichten und andere Wege aufklären. Kostenlose und unabhängige Beratung bieten außerdem die Beratungsstellen der Zahnärztekammern und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen, für gesetzlich und privat Versicherte.

  1. Lassen Sie sich vom Zahnarzt die Werte der letzten Nachuntersuchung geben: Taschentiefen, Blutung, Lockerung und Knochenabbau.
  2. Nehmen Sie diese Werte zum ersten Gespräch beim Kieferorthopäden mit und fragen Sie, ob die Ziele der Leitlinie erreicht sind.
  3. Fragen Sie, welche Zahnspange geplant ist und warum. Bei schwerer Parodontitis empfiehlt die Leitlinie eine feste.
  4. Klären Sie, wer das Zahnfleisch während der Zahnspange misst, wie oft, und was bei einer neuen Entzündung passiert.
  5. Lassen Sie sich den Retainer auf Dauer erklären. Fragen Sie, was Retainer und Nachsorge nach den zwei Jahren der Kasse kosten.
  6. Verlangen Sie einen schriftlichen Kostenplan, bevor Sie unterschreiben.

Häufige Fragen

Darf ich mit Parodontitis eine Zahnspange bekommen?

Ja, eine Zahnspange ist bei Parodontitis möglich, sobald die Parodontitis behandelt und die Entzündung gestoppt ist. Laut Leitlinie darf dann keine Zahnfleischtasche von 5 Millimetern mehr bluten, und keine darf 6 Millimeter oder tiefer sein. Bei aktiver Entzündung kann die Zahnspange den Abbau von Knochen beschleunigen.

Wie lange muss ich nach der Parodontitis-Behandlung auf die Zahnspange warten?

Nach der Reinigung der Zahnfleischtaschen folgt die erste Nachuntersuchung drei bis sechs Monate später. Erst dann steht fest, ob die Zahnspange beginnen darf. Braucht ein Zahn noch eine Operation am Zahnfleisch, kommen weitere drei bis sechs Monate dazu. Planen darf die Praxis die Zahnspange schon vorher.

Sind Aligner bei Parodontitis geeignet?

Bei schwerer Parodontitis empfiehlt die Leitlinie feste statt herausnehmbarer Zahnspangen und zählt Aligner zu den herausnehmbaren. Die Empfehlung stützt sich auf nur eine Studie, in der feste Zahnspangen bei der Taschentiefe besser abschnitten. Ob Aligner im Einzelfall infrage kommen, muss die Praxis im Gespräch begründen.

Werden lockere Zähne nach Parodontitis durch eine Zahnspange fester?

Für Zähne, die durch Parodontitis gewandert sind, berichtet die Leitlinie: Eine Zahnspange nach erfolgreicher Behandlung scheint das Wackeln zu verringern. Das gilt nur, wenn die Entzündung gestoppt ist. Eine feste Zusage für den einzelnen Zahn gibt es nicht, der Befund entscheidet.

Zahlt die Krankenkasse die Zahnspange nach einer Parodontitis?

Die gesetzliche Krankenkasse zahlt die Behandlung der Parodontitis samt zwei Jahren Nachsorge, aber nicht die Zahnspange eines Erwachsenen. Beginnt die Zahnspange nach dem 18. Geburtstag, zahlen Sie selbst nach der Gebührenordnung für Zahnärzte. Eine Ausnahme gibt es nur bei schweren Fehlstellungen mit Kiefer-OP.

Muss ich nach einer Zahnspange bei Parodontitis ein Leben lang einen Retainer tragen?

Ja, nach einer Zahnspange bei Parodontitis empfiehlt die Leitlinie einen festen Retainer auf Dauer, der die Zähne ohne Druck hält, und eine lebenslange Betreuung. Dazu kommt lebenslange Nachsorge für das Zahnfleisch. Der Grund ist der geschrumpfte Zahnhalteapparat, der den Zähnen weniger Halt gibt.

Quellen und Methodik

Quellen und Lizenzen

  1. S3-Leitlinie Die Behandlung von Parodontitis, Stadium IV, AWMF-Registernummer 083-056, Langfassung, Stand Mai 2026, Empfehlungen R7.1 bis R7.8, DGZMK, DG PARO, DGI, DGKFO und DGPro bei der AWMF,
  2. Richtlinie zur systematischen Behandlung von Parodontitis und anderer Parodontalerkrankungen (PAR-Richtlinie), in Kraft seit 1. Juli 2021, zuletzt geändert am 19. Dezember 2024, Gemeinsamer Bundesausschuss,
  3. § 28 SGB V Ärztliche und zahnärztliche Behandlung, Absatz 2 Satz 6, Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de),
  4. Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ), Anlage 1, Abschnitt G, Nummer 6090, Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de),
  5. § 630e BGB Aufklärungspflichten, Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de),
  6. Kieferorthopädische Behandlung nach Parodontitis, Universitätsklinikum Würzburg, Poliklinik für Kieferorthopädie,
  7. Qualitätssicherung in der Kieferorthopädie, Journal of Orofacial Orthopedics 2019, Band 80, Seiten 279 bis 288, Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie,
  8. Zahnärztliche Patientenberatung der Kammern und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen, Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung,

Einsatz von Sprachmodellen

Eine KI hat die wiederkehrenden Sätze auf den Seiten formuliert, die Ratgeber und das Glossar mitgeschrieben, Quellen gesucht und die Bilder erzeugt. Die Ratgeber haben wir vor der Veröffentlichung mit ihren Quellen abgeglichen. Name, Adresse und Kontaktdaten der Praxen stammen dagegen unverändert aus OpenStreetMap. Sie verarbeitet ein festes Programm und keine KI.

Korrekturweg

Eine falsche Adresse, eine geschlossene Praxis oder eine falsche Zuordnung melden Sie über das Kontaktformular. Wir gleichen die Meldung mit der Quelle ab und korrigieren belegte Fehler auf der betroffenen Seite.

Stand dieser Angaben: 4. Oktober 2026.