Was Aligner sind und warum der Preis so schwankt
Aligner sind durchsichtige Schienen aus Kunststoff. Sie tragen eine ganze Serie davon und wechseln etwa alle ein bis zwei Wochen zur nächsten. Jede Schiene schiebt die Zähne ein kleines Stück weiter. Invisalign ist der bekannteste Markenname, ähnliche Systeme gibt es von vielen Herstellern.
Die Techniker Krankenkasse hält Aligner für Erwachsene und Jugendliche mit leichten bis mittelschweren Fehlstellungen geeignet. Als Nachteile nennt sie den höheren Preis als bei einer klassischen Zahnspange, die nötige Disziplin beim Tragen und die Grenzen bei schwierigen Fällen.
Der Preis hängt von der Zahl der Schienen, davon, wie weit die Zähne wandern müssen, und vom Aufwand für Planung und Kontrollen ab. Die Praxis rechnet privat nach der Gebührenordnung für Zahnärzte ab, kurz GOZ. Für Aligner gibt es dort keinen eigenen Posten. Die Schienen selbst stehen als Laborkosten auf der Rechnung. Deshalb unterscheiden sich zwei Angebote vor allem beim Labor und beim Steigerungssatz.
Beratung und Untersuchung
Die Praxis prüft, ob Ihre Fehlstellung für Aligner passt, und plant die Behandlung.
Abdruck oder 3D-Scan
Aus den Daten fertigt ein Labor die Serie der Schienen. Diese Kosten stehen getrennt auf der Rechnung.
Kostenplan und Vereinbarung
Vor der ersten Schiene bekommen Sie die voraussichtlichen Kosten schriftlich. Die Kasse ist nicht beteiligt.
Schienen und Kontrollen
Die Praxis prüft den Sitz und zeigt die Pflege. Sie wechseln die Schiene etwa alle ein bis zwei Wochen.
Abschluss und Retainer
Nach der letzten Schiene hält ein Retainer die Zähne. Auch ihn zahlen Sie selbst.
Warum die Krankenkasse Aligner nie zahlt
Die gesetzliche Kasse zahlt nur, was in ihrer Liste der Leistungen für Zahnärzte steht, und Aligner stehen dort nicht. Bei manchen Extras zahlt die Kasse zwar ihren Teil weiter, und Sie zahlen nur den Unterschied, etwa bei zahnfarbenen Brackets. Für Aligner gilt das nicht.
Die Kassenzahnärztliche Vereinigung Berlin sagt es klar. Eine Behandlung mit Alignern ist komplett privat. Steht schon bei der Planung fest, dass Aligner kommen, zahlt die Kasse nicht einmal die Planung. Die Techniker Krankenkasse schreibt, eine Invisalign-Behandlung darf generell nicht über die gesetzliche Kasse abgerechnet werden.
Das trifft Familien, deren Kind ab KIG-Grad 3 einen Anspruch auf eine Zahnspange von der Kasse hat. Wählen sie Aligner, verzichten sie auf das ganze Geld der Kasse, nicht nur auf einen Teil. Wer mitten in einer genehmigten Behandlung zu Alignern wechselt, bricht die Kassenbehandlung ab. Die bis dahin gezahlten 20 Prozent bekommen Sie dann nicht zurück, und auch der Retainer danach ist privat. Was eine Zahnspange mit Kasse kostet, erklärt der Ratgeber Was kostet eine Zahnspange.
Aligner aus der Praxis oder vom Online-Anbieter
Seit einigen Jahren verkaufen Firmen Aligner mit wenig persönlichem Kontakt: Scan in einem Laden oder Abdruck per Post, Planung am Computer, Kontrolle per App. Die Verbraucherzentralen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz haben 2021 vier große Anbieter geprüft: DrSmile, PlusDental, SmileDirectClub und Ilovemysmile.
In der Praxis kosten Aligner laut Techniker Krankenkasse 3.000 bis 8.000 Euro. Ein Online-Anbieter verlangte im Marktcheck für eine leichte Fehlstellung 1.790 Euro einmalig oder 2.376 Euro in Raten.
| Merkmal | Kieferorthopädische Praxis | Online-Anbieter |
|---|---|---|
| Untersuchung | persönlich, mit Röntgen und Befund | Scan oder eigener Abdruck, oft nur ein Kontakt oder keiner |
| Kontrolle während der Behandlung | regelmäßige Termine in der Praxis | Fotos per App, meist ohne regelmäßige Kontrolle |
| Aufklärung über Risiken | Pflicht, mündlich und rechtzeitig | auf keiner der vier geprüften Webseiten |
| Aufsicht | Zahnärztekammer | Firma ohne Kammeraufsicht, nur angestellte Zahnärzte unterliegen ihr |
| Widerruf | Behandlungsvertrag | alle vier versuchten, das Widerrufsrecht auszuschließen |
| Kosten | 3.000 bis 8.000 Euro | Beispiel 1.790 Euro einmalig, 2.376 Euro in Raten |
| Wenn der Anbieter aufgibt | die Praxis bleibt Ansprechpartner | unklar, SmileDirectClub hat in Deutschland aufgehört |
Die Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie hält nicht die Aligner für das Problem, sondern die Behandlung ohne Kontrolle. Eine Behandlung nach eigenem Abdruck oder mit nur einem Termin beim Zahnarzt nennt sie medizinisch unverantwortlich. Zähne, die sich unkontrolliert bewegen, können Kieferknochen und Zahnfleisch schädigen. Auch die Kassenzahnärzte und die Bundeszahnärztekammer warnten 2021 im Bundestag vor Zahn- und Knochenverlust.
Was Gerichte zur Werbung für Aligner sagen
Werbung für Behandlungen darf nicht in die Irre führen und keinen sicheren Erfolg versprechen. Daran ist die Werbung eines großen Online-Anbieters gescheitert.
Das Landgericht Berlin hat dem Anbieter DrSmile 2022 drei Dinge verboten. Er darf nicht mit einem perfekten Lächeln werben, keine schlechten Kundenbewertungen ausblenden und nicht mit einem TÜV-Siegel werben, das nur die Webseite geprüft hatte. Geklagt hatte die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, und das Urteil ist rechtskräftig. Schon Anfang 2022 hatte dasselbe Gericht dem Anbieter PlusDental irreführende Werbeversprechen untersagt.
Für Sie heißt das: Wer einen sicheren Erfolg verspricht, wirbt unzulässig. Eine gute Aufklärung nennt Risiken, Erfolgsaussichten und andere Möglichkeiten. Die Verbraucherzentralen fanden bei keinem der vier Anbieter eine solche Aufklärung auf der Webseite, dafür Vorher-Nachher-Bilder und Siegel ohne Aussagekraft.
Welche Kosten zu den Alignern dazukommen
Der Preis der Schienen ist selten der Endpreis. Diese Posten zahlen Sie zusätzlich selbst.
- Professionelle Zahnreinigung: Die meisten Praxen berechnen nach Angaben der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung 80 bis 120 Euro je Termin.
- Retainer nach der Behandlung: Bei Alignern zahlen Sie ihn selbst. Zuschüsse einzelner Kassen gibt es nur nach einer Kassenbehandlung.
- Weitere Schienen, wenn das Ziel nach der letzten Schiene noch nicht erreicht ist: Ob sie im Preis stecken, steht nur im Vertrag.
- Ersatz für verlorene oder kaputte Schienen: Fragen Sie vor der Unterschrift, was das kostet.
- Röntgenbilder und Auswertung zu Beginn: Sie stehen im Kostenplan der Praxis.
Für gesetzlich versicherte Familien kommt ein Posten dazu, den viele übersehen. Hätte Ihr Kind einen Anspruch auf eine Zahnspange von der Kasse, verzichten Sie mit Alignern auf eine Behandlung, die die Kasse ganz bezahlt hätte, samt Rückzahlung Ihres Anteils.
6 Fragen an jedes Angebot für Aligner
Mit sechs Fragen prüfen Sie ein Angebot. Die Antworten gehören schriftlich in den Kostenplan oder den Vertrag, nicht ins Verkaufsgespräch.
- Wer untersucht und plant? Fragen Sie nach dem Namen und danach, ob ein Fachzahnarzt für Kieferorthopädie behandelt. Bei Online-Anbietern fragen Sie, wer die Behandlung kontrolliert und wie oft Sie persönlich untersucht werden.
- Wie lautet der Befund? Ohne Untersuchung und Diagnose keine Behandlung.
- Was steckt im Preis? Zahl der Schienen, Kontrollen, weitere Serien, Ersatzschienen, Retainer. Alles, was fehlt, kostet später extra.
- Wie hoch ist die Summe bei Ratenzahlung? Vergleichen Sie sie mit der Einmalzahlung.
- Was gilt bei Abbruch, Umzug oder Pleite des Anbieters? Bei einer Praxis bleibt der Vertrag, bei einer Firma kann die Behandlung mit der Firma enden.
- Wurden Sie über Risiken und andere Möglichkeiten aufgeklärt? Das muss mündlich und rechtzeitig geschehen, und Kopien aller Unterlagen stehen Ihnen zu.
Ob Aligner oder feste Zahnspange besser zu Ihnen passen, vergleicht der Ratgeber Feste Zahnspange oder Invisalign.
Häufige Fragen
Was kostet eine Invisalign-Behandlung in Deutschland?
Eine Invisalign-Behandlung oder eine mit einem ähnlichen System kostet in einer Praxis in Deutschland laut Techniker Krankenkasse etwa 3.000 bis 8.000 Euro. Der Preis hängt von der Zahl der Schienen und vom Umfang der Zahnbewegung ab. Den Betrag für Ihren Fall nennt der schriftliche Kostenplan der Praxis.
Zahlt die Krankenkasse Invisalign bei Kindern mit KIG-Grad 3?
Nein, die gesetzliche Krankenkasse zahlt Invisalign auch bei Kindern mit KIG-Grad 3 oder höher nicht. Mit Alignern wird die ganze Behandlung samt Planung privat. Wer das Geld der Kasse nutzen will, wählt die feste Zahnspange.
Sind Aligner von Online-Anbietern günstiger als in der Praxis?
Aligner von Online-Anbietern sind im Preis oft günstiger. Im Marktcheck der Verbraucherzentralen 2021 kostete eine leichte Fehlstellung 1.790 Euro einmalig, in der Praxis nennt die Techniker Krankenkasse 3.000 bis 8.000 Euro. Dafür fehlen bei Online-Anbietern oft Aufklärung, regelmäßige Kontrolle und Kammeraufsicht.
Wie lange dauert eine Behandlung mit Alignern?
Für die Dauer einer Behandlung mit Alignern nennen weder die Techniker Krankenkasse noch die Verbraucherzentrale eine feste Zahl, beide sagen, sie hängt vom Einzelfall ab. Fest steht nur, dass Sie die Schienen etwa alle ein bis zwei Wochen wechseln. Die voraussichtliche Dauer muss im Plan der Praxis stehen.
Darf ein Aligner-Anbieter mit einem perfekten Lächeln werben?
Nein, ein Aligner-Anbieter darf nicht mit einem perfekten Lächeln werben. Das Landgericht Berlin hat DrSmile diese Werbung 2022 rechtskräftig verboten, weil sie einen sicheren Erfolg verspricht. Verboten wurden auch das Ausblenden schlechter Bewertungen und ein TÜV-Siegel, das nur die Webseite betraf.
Brauche ich nach einer Behandlung mit Alignern einen Retainer?
Ja, auch nach einer Behandlung mit Alignern hält ein Retainer die Zähne an ihrem neuen Platz. Laut Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung wollen Zähne manchmal ein Leben lang zurückwandern. Bei Alignern zahlen Sie den Retainer selbst, er gehört deshalb in den Kostenplan.
