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Lose Zahnspange, wie viele Stunden am Tag sie wirken muss

Veröffentlicht am , zuletzt aktualisiert am

Eine lose Zahnspange wirkt nur, solange sie im Mund sitzt. Das Universitätsklinikum Würzburg verlangt mindestens 15 Stunden am Tag. In einer Messung mit 141 Kindern trugen sie sie im Mittel nur 9,7 Stunden. Ab KIG-Grad 3 und Beginn vor dem 18. Geburtstag zahlt die gesetzliche Kasse die Zahnspange.

Mindestens nötige Tragezeit
15 Stunden am Tag
Universitätsklinikum Würzburg, Poliklinik für Kieferorthopädie, Aktive Platten, Stand 21. September 2026
Gemessene Tragezeit bei 141 Kindern
9,7 Stunden am Tag
Schäfer, Ludwig, Meyer-Gutknecht, Schott, European Journal of Orthodontics 2015, PMID 24993614, Stand 3. Juli 2014
Erreichter Anteil der Vorgabe
62,5 Prozent
Tsomos und andere, The Angle Orthodontist 2014, PMID 23834273, Stand 8. Juli 2013
Eine hellblaue lose Zahnspange in ihrer Dose auf einem Nachttisch neben einem kleinen Teddy
Die lose Zahnspange wartet auf dem Nachttisch eines Kindes auf die Nacht. Bild: KI generiert.

Was eine lose Zahnspange ist und welche Arten es gibt

Eine lose Zahnspange ist ein Gerät aus Kunststoff und Draht, das Ihr Kind herausnehmen kann. Die Praxis fertigt sie nach einem Abdruck für genau dieses Gebiss an. Die häufigste Form heißt aktive Platte. Drahtklammern halten sie an den Backenzähnen. Federn und eine kleine Schraube drücken auf die Zähne, die sich bewegen sollen.

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, kurz IQWiG, beschreibt, wie die Schraube funktioniert. Sie verbreitert die Platte in kleinen Stufen. So bleibt der Druck erhalten, auch wenn sich die Zähne schon bewegt haben.

Eine zweite Gruppe sind Geräte wie Bionator, Aktivator oder Funktionsregler. Sie bestehen aus einem Stück für Ober- und Unterkiefer und liegen locker im Mund. Sie drücken nicht selbst, sondern nutzen die Kraft von Kaumuskeln, Zunge und Lippen. So sollen sie die Lage der Kiefer zueinander ändern. Laut Universitätsklinikum Würzburg klappt das am besten kurz vor und während der Pubertät, wenn der Unterkiefer am stärksten wächst.

Die Verbraucherzentrale nennt typische Einsätze. Dazu gehören ein zu schmaler Zahnbogen, eine große Stufe zwischen oberen und unteren Schneidezähnen und ein zu weit hinten liegender Unterkiefer im Wachstum. Die Tabelle zeigt 5 Arten von losen Zahnspangen.

Lose Zahnspangen im Überblick, nach IQWiG, Universitätsklinikum Würzburg und Verbraucherzentrale.
GerätWofürWie es wirktZahlt die Kasse bei Grad 3 bis 5 vor 18?
Aktive Platte, auch DehnplatteZahnbogen verbreitern, Platz schaffen, gekippte Zähne aufrichtenFedern, Klammern und eine Schraube drücken auf Zähne und Kieferja
Doppelplatte für Ober- und UnterkieferUnterkiefer liegt zu weit hinten und Oberkiefer ist zu schmaldie obere Platte verbreitert, eine schräge Fläche an der unteren führt den Unterkiefer nach vornja
Bionator, Aktivator, FunktionsreglerLage von Ober- und Unterkiefer zueinander ändernliegt locker im Mund und nutzt die Muskelkraft beim Schlucken und Sprechenja
PlatzhalterLücke nach zu frühem Verlust eines Milchzahns offenhaltenhält den Platz für den bleibenden Zahn freija, als Ausnahme schon vor dem Zahnwechsel
Herausnehmbarer Retainerdas Ergebnis nach der Behandlung haltendrückt nicht, wird laut IQWiG meist nachts getragenja, bis zu zwei Jahre nach der Behandlung

Eine aktive Platte wirkt nur bei 15 Stunden am Tag

Das Universitätsklinikum Würzburg sagt, die aktive Platte soll so viel wie möglich im Mund sein, mindestens 15 Stunden am Tag. Das IQWiG beschreibt das übliche Muster so: nachts und dazu mehrere Stunden am Tag. Die AOK weist darauf hin, dass die Tragezeit je nach Gerät zwischen ganztägig und nur nachts schwankt. Verbindlich ist die Zahl, die die Praxis für das Gerät Ihres Kindes nennt.

Der Grund ist einfach. Die lose Zahnspange drückt nur, solange sie im Mund sitzt. Eine Zahnspange in der Dose bewegt keinen Zahn. Laut Verbraucherzentrale hat eine lose Zahnspange ohnehin weniger Kraft als eine feste, deshalb dauert die Behandlung länger. Eine Studie aus Tübingen mit 28 Kindern zeigte: Je länger die Platte am Tag getragen wurde, desto mehr wurde der Kiefer breiter.

Wie groß die Lücke zwischen Vorgabe und Alltag ist, zeigen Studien mit kleinen Messfühlern in der Zahnspange. Sie zeichnen auf, wann die Zahnspange im Mund war. Die Ergebnisse sind in mehreren Ländern ähnlich.

  • 141 Kinder und Jugendliche in Deutschland trugen ihre aktive Platte über drei Monate im Mittel 9,7 Stunden am Tag. Vorgegeben waren 15 Stunden (Schäfer und andere, 2015).
  • 7- bis 9-Jährige kamen auf 12,1 Stunden, 10- bis 12-Jährige auf 9,8 und 13- bis 15-Jährige auf 8,5 Stunden am Tag.
  • Mädchen trugen die Zahnspange im Mittel 10,6 Stunden, Jungen 9,3 Stunden. Zwischen den Praxen lagen bis zu 5 Stunden am Tag.
  • In Bern erreichten 21 Kinder mit 14 Stunden Vorgabe im Mittel 62,5 Prozent davon. Von allen 45 Gemessenen trugen sechs ihr Gerät gar nicht, obwohl sie von der Messung wussten (Tsomos und andere, 2014).
  • Eine Auswertung von 24 Studien kam 2017 zu dem Schluss: Lose Zahnspangen werden zu wenig getragen, und die Kinder schätzen ihre Tragezeit zu hoch ein (Al-Moghrabi und andere).

Was passiert, wenn die Zahnspange zu oft in der Dose liegt

Die Regeln der Krankenkassen für die Kieferorthopädie sagen es deutlich. Dauer und Erfolg hängen wesentlich davon ab, dass Kind und Eltern mitmachen. Die Praxis muss vorher und während der Behandlung aufklären und motivieren. Macht ein Kind trotzdem nicht ausreichend mit, muss die Praxis das Ziel neu festlegen und die Behandlung notfalls beenden.

Das kostet Familien Geld. Gesetzlich Versicherte zahlen zunächst 20 Prozent der Kosten selbst, beim zweiten Kind im selben Haushalt 10 Prozent. Die Kasse zahlt diesen Anteil nur zurück, wenn die Behandlung so abgeschlossen wurde, wie der Plan es vorsah. Bricht die Praxis wegen fehlender Mitarbeit ab, bleibt Ihr Anteil bei Ihnen.

Auch die Dauer hat eine Grenze. Die Gebühren der Praxis decken bis zu 16 Quartale ab, also vier Jahre. Was danach noch nötig ist, muss die Praxis mit Begründung neu beantragen. Eine lose Zahnspange, die nur halb so lange getragen wird wie geplant, schiebt die Behandlung auf diese Grenze zu. Mahnende Briefe der Praxis an Sie kosten übrigens nichts extra.

Was tun, wenn es mit der losen Zahnspange nicht rund läuft?

Passt die Zahnspange beim Einsetzen, ohne zu drücken, zu wackeln oder zu schmerzen?

Ja

Hat Ihr Kind die vorgegebenen Stunden in den letzten Wochen meistens erreicht?

Ja

Weiter nach Plan. Drehen Sie die Schraube nur im vorgegebenen Rhythmus, reinigen Sie täglich und halten Sie die Kontrolltermine ein.

Nein

Sprechen Sie die Tragezeit beim nächsten Termin offen an und legen Sie feste Tragezeiten fest. Bleibt die Mitarbeit aus, ändert die Praxis das Ziel oder beendet die Behandlung. Ihren Anteil bekommen Sie dann nicht zurück.

Nein

Setzen Sie die Zahnspange nicht mit Kraft ein und drehen Sie die Schraube nicht weiter. Rufen Sie die Praxis an. Das rät die Verbraucherzentrale, wenn die Zahnspange nicht passt, schmerzt oder kaputt ist.

In 6 Schritten zu einer Tragezeit, die im Alltag hält

Die meisten Stunden entstehen nachts, der Rest muss in den Tag passen. Wer die Tragezeit nicht plant, landet schnell bei den 9 bis 10 Stunden aus den Messungen.

  1. Lassen Sie sich die Tragezeit als Zahl nennen, zum Beispiel 15 Stunden am Tag. Fragen Sie, ob sie für die ganze Behandlung gilt oder sich später ändert.
  2. Legen Sie feste Tragezeiten fest. Dazu gehören die Nacht und ein langer Block am Nachmittag oder Abend, etwa bei Hausaufgaben, Lesen oder Fernsehen.
  3. Nehmen Sie die Zahnspangendose überallhin mit. Zum Essen und bei manchen Sportarten darf die Zahnspange heraus. Sie gehört dann in die Dose und nicht lose in eine Tasche.
  4. Reinigen Sie die Zahnspange jeden Tag. Die AOK rät, sie abends mit warmem Wasser abzuspülen, mit einer Zahnbürste zu putzen und noch einmal abzuspülen.
  5. Drehen Sie die Schraube nur so oft, wie die Praxis es vorgibt. Fragen Sie vorher, was gilt, wenn die Zahnspange ein paar Tage nicht getragen wurde.
  6. Planen Sie die Eingewöhnung beim Sprechen ein. Laut IQWiG nehmen viele die Zahnspange heraus, wenn sie viel reden müssen. Jede dieser Stunden fehlt am Ende des Tages.

Manche Praxen bieten einen Messfühler in der Zahnspange an. Er zeigt beim Kontrolltermin, wann die Zahnspange im Mund war. Die Tübinger Forscher sehen darin eine Grundlage für Vorgaben, die besser zum einzelnen Kind passen. Die Berner Studie zeigt aber: Das Wissen um die Messung allein erhöht die Tragezeit nicht sicher. Der Messfühler ersetzt das Schätzen, nicht das Gespräch.

Die Kasse zahlt die lose Zahnspange ab KIG 3, Reparaturen inklusive

Für gesetzlich versicherte Kinder und Jugendliche zahlt die Kasse die lose Zahnspange unter zwei Bedingungen. Die Praxis stellt mindestens Grad 3 fest, und die Behandlung beginnt vor dem 18. Geburtstag. Die Grade heißen KIG und teilen Fehlstellungen in fünf Stufen ein, gemessen in Millimetern. Wie das genau geht, erklärt der Ratgeber So lesen Sie die KIG-Einstufung.

Geht ein Draht oder Kunststoffteil kaputt, rechnet die Praxis die Reparatur mit der Kasse ab. Das Nachstellen der Schraube oder der Federn gehört zur laufenden Behandlung und kostet nichts extra. Laut AOK zahlt die Kasse nötige Reparaturen und den Ersatz einer verlorenen Zahnspange in der Regel. Häufige Reparaturen oder neue Zahnspangen müssen Sie aber womöglich selbst zahlen. Was bei Verlust zu tun ist, steht im Ratgeber Bracket lose oder Zahnspange verloren.

Bevor die Eckzähne und kleinen Backenzähne wechseln, zahlt die Kasse nur in Ausnahmen. Dazu gehört ein Platzhalter nach zu frühem Verlust eines Milchzahns. Dazu gehören auch ein weit zurückliegender Unterkiefer mit Grad D5 und ein seitlicher Kreuzbiss mit Grad K3 oder K4. Eine solche frühe Behandlung soll nicht vor dem 4. Geburtstag beginnen und nach sechs Quartalen fertig sein.

Warum auf die lose Zahnspange oft eine feste folgt

Eine lose Zahnspange macht vor allem Zahnbögen breiter und richtet gekippte Zähne auf. Eine feste Zahnspange wirkt ohne Pause und kann Zähne auch drehen und weiter bewegen. Laut Verbraucherzentrale wirkt sie stärker und kommt vor allem bei bleibenden Zähnen zum Einsatz. Die AOK schreibt, dass auf eine lose Zahnspange oft eine feste folgt. Laut IQWiG tragen manche Kinder beide nacheinander.

Wann welche Zahnspange zum Einsatz kommt, ist laut Verbraucherzentrale nicht fest geregelt. Die Praxis entscheidet nach Fehlstellung, Alter, Zahl der bleibenden Zähne und der erwarteten Mitarbeit. Ob eine lose Zahnspange reicht, kann deshalb nur die Untersuchung klären. Die Frage nach der Mitarbeit dürfen Sie aber offen stellen, denn sie entscheidet über den Erfolg.

  • Was soll die lose Zahnspange bewegen, und woran erkennen wir, dass sie wirkt?
  • Wie viele Stunden am Tag muss mein Kind sie tragen, und gilt das die ganze Zeit?
  • Wie oft drehen wir die Schraube, und was tun wir nach ein paar Tagen Pause?
  • Braucht mein Kind danach voraussichtlich eine feste Zahnspange?
  • Was passiert, wenn mein Kind nicht genug mitmacht, und wann würden Sie das Ziel ändern?
  • Zahlt unsere Kasse den Ersatz, wenn die Zahnspange verloren geht?

Häufige Fragen

Wie viele Stunden am Tag muss eine lose Zahnspange getragen werden?

Eine lose Zahnspange muss so viele Stunden getragen werden, wie die Praxis für das Gerät festlegt. Das Universitätsklinikum Würzburg nennt für die aktive Platte mindestens 15 Stunden am Tag. Laut IQWiG ist das übliche Muster nachts und dazu mehrere Stunden am Tag. Ein Retainer nach der Behandlung kommt meist nur nachts in den Mund.

Was passiert, wenn mein Kind die lose Zahnspange zu wenig trägt?

Trägt Ihr Kind die lose Zahnspange zu wenig, bewegen sich die Zähne langsamer oder gar nicht. Nach dem Weiterdrehen der Schraube passt sie dann oft nicht mehr. Bleibt die Mitarbeit aus, muss die Praxis das Ziel ändern oder die Behandlung beenden. Ihren Anteil von 20 Prozent zahlt die Kasse dann nicht zurück.

Darf mein Kind mit der losen Zahnspange essen und Sport treiben?

Zum Essen nimmt Ihr Kind die lose Zahnspange heraus und legt sie in die Dose, so beschreibt es das IQWiG. Auch bei manchen Sportarten ist es besser, sie herauszunehmen. Besprechen Sie das mit der Praxis. Jede Stunde ohne Zahnspange fehlt bei der Tragezeit und muss zu einer anderen Tageszeit nachgeholt werden.

Zahlt die Krankenkasse eine lose Zahnspange?

Die gesetzliche Krankenkasse zahlt eine lose Zahnspange, wenn die Praxis mindestens KIG-Grad 3 feststellt und die Behandlung vor dem 18. Geburtstag beginnt. Sie zahlen zunächst 20 Prozent selbst, beim zweiten Kind 10 Prozent. Nach dem erfolgreichen Abschluss bekommen Sie das Geld zurück. Reparaturen rechnet die Praxis mit der Kasse ab.

Wie reinige ich eine lose Zahnspange richtig?

Eine lose Zahnspange wird jeden Tag mit Zahnbürste und Zahnpasta oder mit Reinigungstabletten gesäubert, so rät es die Verbraucherzentrale. Die AOK empfiehlt, sie abends mit warmem Wasser abzuspülen, zu putzen und noch einmal abzuspülen. Die Zähne putzt Ihr Kind ohne Zahnspange wie gewohnt.

Quellen und Methodik

Quellen und Lizenzen

  1. Richtlinien für die kieferorthopädische Behandlung (KFO-Richtlinie), Abschnitt B Nr. 2, 8 und 12, Gemeinsamer Bundesausschuss,
  2. § 29 SGB V Kieferorthopädische Behandlung, Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de),
  3. Einheitlicher Bewertungsmaßstab für zahnärztliche Leistungen (BEMA), Stand 1. Januar 2026, Nrn. 119 bis 125, Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung,
  4. Behandlung mit herausnehmbarer Zahnspange, Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG),
  5. Feste Spange, lose Klammer: welche Behandlungsformen gibt es?, Verbraucherzentrale,
  6. Beim Kieferorthopäden: feste und lose Zahnspangen, AOK,
  7. Aktive Platten, Universitätsklinikum Würzburg, Poliklinik für Kieferorthopädie,
  8. Funktionskieferorthopädie, Universitätsklinikum Würzburg, Poliklinik für Kieferorthopädie,
  9. Quantifying patient adherence during active orthodontic treatment with removable appliances using microelectronic wear-time documentation, European Journal of Orthodontics 2015, PMID 24993614, Schäfer, Ludwig, Meyer-Gutknecht, Schott (Universität Tübingen),
  10. Objective assessment of patient compliance with removable orthodontic appliances: a cross-sectional cohort study, The Angle Orthodontist 2014, PMID 23834273, Tsomos, Ludwig, Grossen, Pazera, Gkantidis (Universität Bern),
  11. Compliance with removable orthodontic appliances and adjuncts: A systematic review and meta-analysis, American Journal of Orthodontics and Dentofacial Orthopedics 2017, PMID 28651764, Al-Moghrabi, Salazar, Pandis, Fleming,
  12. Maxillary expansion therapy with plates featuring a transverse screw: implications of patient compliance with wear-time and screw activation requirements, Journal of Orofacial Orthopedics 2014, PMID 24589750, Schott, Fritz, Meyer-Gutknecht (Universität Tübingen),

Einsatz von Sprachmodellen

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Stand dieser Angaben: 4. Oktober 2026.